Geschichten

Der Leser mag Geschichten – auch und gerade in Sachtexten. Glauben Sie mir: Das ist das Geheimnis von Ratgebern, die wir gerne lesen: Sie würzen ihre Darstellung mit Geschichten.
Besonders erfolgreich hat dies Dale Carnegie verstanden. Mit seinen Büchern „Wie man Freunde gewinnt“ und „Sorge Dich nicht. Lebe!“ ist er noch nach Jahrzehnte nach seinem Tod weiterhin in den Bestseller-Listen vertreten. Warum? Die von ihm formulierten Regeln nehmen höchsten 10-20 Seiten des jeweiligen Buches ein. Der Rest besteht aus Geschichten, die das Leben schrieb.
Warum mag der Leser Geschichten? Hier einige Antworten von Teilnehmern meiner Seminare:
- „Weil ich mich damit gut identifizieren kann.“
- “Geschichten sind anschaulich.“
- “Geschichten sind einfach zu verstehen.“
- “Das lockert auf.“
- “Ich kann das gut auf mich selbst übertragen.“
- “Geschichten lesen macht Spaß.“
Geschichten haben einen weiteren Vorteil: Sie sind schwer zu widerlegen. Das gilt besonders für selbst erlebte Geschichten. Lassen Sie mich dazu eine Geschichte erzählen:
Als ich am Vorabend einer Veranstaltung im Tagungshotel eintraf, sagte mir die Dame an der Rezeption, dass sie leider kein Zimmer für mich habe. Eine sehr große Reisegruppe habe unvorhergesehen ihren Aufenthalt verlängert und habe juristisch daher eher einen Anspruch auf ein Zimmer als ich als Neuankömmling – obwohl ich bereits Wochen vorher mein Zimmer gebucht hatte. Sie empfahl mir daher ein anderes Hotel. Ich sagte, ich sei damit nicht einverstanden, da ich gerne während der Veranstaltung die Möglichkeit haben wollte, mich auf mein Zimmer zurückzuziehen. Die Dame erkundigte sich daraufhin bei ihrem Vorgesetzten und kam kurz daraufhin wieder. „Herr Lengen, es tut mir leid. Ich muss Sie leider doch auf das andere Hotel verweisen. Ich biete Ihnen an, die Taxikosten zu übernehmen. Und außerdem bekommen Sie 50 Euro in bar für Ihre Unannehmlichkeiten.“ – Ich überlegte kurz und willigte ein. Gesagt. Getan. Ich ließ mich zu dem anderen Hotel fahren, erhielt für Hin- und Rückfahrt das Taxigeld und 50 Euro zusätzlich. Außerdem bekam ich einige Tage später von der Hoteldirektion eine Einladung zu einer kostenlosen Übernachtung für zwei Personen. Wenn Sie mich fragen: Ich finde, dieses Hotel kulant und entgegenkommend. Die Geschichte ist leider nicht zu Ende. Auch zwei, drei andere Besucher der Veranstaltung wollten in diesem Hotel übernachten. Sie willigten sogleich ein, im anderen Hotel zu übernachten. Sie erhielten kein Taxigeld, keine 50 Euro und keine kostenlose Übernachtung für zwei Personen. Wenn Sie diese Personen fragen: Sie finden das Hotel ziemlich schlecht.

Wer hat Recht? Beide!
Geschichten sind schwer zu widerlegen, haben aber – wie auch Beispiele – keine Beweiskraft. Geschichten, die Sie selbst erlebt haben, kommen beim Leser besonders gut an.